Jubiläumsreise zum 10-jährigen Bestehen



8. 10. September 2001 in Holland

Durch die Reiseleitung sehr gut vorbereitet, trafen sich 13 unerschrockene und zum Teil noch halbschlafende Mitglieder am Freitagmorgen im ersten Zug nach Zürich - Kloten. Dies sollte der Start sein, um während den nächsten drei Tagen die „tiefergelegten“ - wie ein Manta - Fahrer wohl sagen würde – Bauwerke und Impressionen aus dem Staat von Königin Beatrix zu verschaffen.

Nach der Landung auf dem Flughafen Schiphol / Amsterdam, welcher rund 4.5 m unter dem Meeresspiegel liegt, vertrauten wir uns den Eisenbahnen von Holland an. Die erste Fahrt führte uns nach Rotterdam, wo wir uns den weltberühmten Hafen ansehen wollten.
Schon zu Beginn unserer fussgängerischen Aktivitäten konnten wir feststellen, dass Fahrräder im Verkehrskonzept der Niederländer eine tragende Rolle spielen. Zu Tausenden flitzten uns die Zweiräder um die Ohren bezw. um die Beine. In weiser Vorahnung erläuterten uns die beiden mitgereisten Oranjes, Edgar und Chris, dass diese Vehikel immer Vortritt haben und wir als Pedianer (lat. per pedes, Fussgänger) somit am kürzeren Hebel sind.
Nichtsdestotrotz erreichte unsere Reisegruppe die erste Sehenswürdigkeit, den Euromast. Dieser Turm mit seinen 185 m Höhe, ermöglicht einen herrlichen Rundblick über Rotterdam und seinen gewaltigen Hafen. Auf der Aussichtsplattform stehend wurde uns das erstemal bewusst, dass der Wind in Holland eine wetterbestimmende Komponente ist.

Wie hatten das Glück, dass an diesem Samstag das jährliche Hafenfest stattfand. Da es mit-tlerweile Essenszeit war und sich die inneren Organe zum Teil heftig bemerkbar machten, star-teten wir den ersten Versuch, uns auch kulinarisch mit unserem Gastland anzufreunden. Während sich die feuchte Spezialität, sprich Heineken, gleich allgemeiner Beliebtheit erfreute, blieb die Begeisterung für die Krokettes, in Paniermehl fritiertes Fleischbrät, teilweise aus. Aber die Beilage „vlaamse frites“, wie die frisch zubereiteten Pommes heissen, füllte auch den letzten Magen.

Frisch gestärkt konnte sich unsere Reisegruppe, be-stehend aus Edgar und Tony (unseren Organisatoren), Martin (Säckelmeister), Peter Bumbacher (unser Tour-Fotograf), Umberto, Kony, Thomas, Peter Rüesch, Peter Holzer, Walter, Chris, Michel und Remo (alles Mitläufer), somit gleich den Attraktionen vom Hafenfest hingeben.

Der nächste Fixpunkt war die Hafenrundfahrt. Unter der Erasmus-Brücke , welche als „ein-armige“ Hängebrücke gebaut ist, fuhr uns das Ausflugsboot durch einige Seitenkanäle der Hafenanlage und an den riesigen Frachtschiffen vorbei. Sehr imposant waren die Container-Schiffe, welche bis zu 1500 Container mit je 40 m Länge laden können.

Nach diesen Impressionen aus der Seefahrt galt es für uns be-reits Abschied nehmen und mit dem Zug weiter nach Süden in die Nähe der belgischen Grenze zu fahren. Die Stadt Middleburg war das Ziel, welches wir nach Eroberung mehrere Zugabteile und ca. 1.5 h dauerndem Jass auch erreichten. Mittlerweile hatte sich das sonnige Wetter verabschiedet und sich den (eher) schlechten Vorhersagen angepasst.

Vor dem Nachtessen konnten wir uns noch einen Schluck vom feinen Palm-Bier genehmigen. Dies ist wohl ein belgisches Bier, aber es sollte sich im Verlauf unserer Reise zu unserer Stammarke heraus kristallisieren. Unser Dinner genossen wir in einem kleinen Restaurant, bei sehr gutem Essen, feinen Wein und toller Bedienung!
Schon bald zollten wir dem frühen Aufstehen unseren Tribut und es wurden keine Schweizer mehr gesichtet. Oder freuten sich wohl einige auf die grossen Zimmer, die als Einzelzimmer bezogen wurden, während andere sich zusammen in einer Besenkammer verdrücken mussten?

Am Sonntagmorgen war für die Besichtigung der Deltawerke reserviert. Nach ausgiebigem Frühstück fuhren wir hinaus an die Nordsee, um uns gleich der Witterung auszusetzen. Das Wetter zeigte sich von der stürmischen Seite mit Winden von bis zu 8 bft. Einige von uns ver-suchten sich gleich als Segelflieger. Ausser fliegenden Kopfbedeckungen wurde daraus jedoch nichts und wir mussten die Hoffnung aufgeben, in die Geschichtsbücher der fliegenden Hollän-der aufgenommen zu werden.

Gerade rechtzeitig erreichten wir den Eingang zur Ausstellung, bevor es regelrecht zu „schüt-ten“ begann. Im Trockenen wurde uns ein guter Vortrag über das Delta Projekt präsentiert so-wie ein Film über die verschiedenen Bauphasen gezeigt.
Das ganze Deltaprojekt wurde nach der Sturmflut - Katastrophe im Jahr 1953 gestartet. Bei diesem Ereignis kamen mehr als 1800 Menschen um und ein Gebiet von 200'00 ha wurde über-schwemmt. Es sollte sichergestellt werden, dass sich kein solche Ereignis wiederholen sollte. Als Lösung wurde die Abriegelung aller Meeresarme, mit Ausnahme der Schiffahrtswege nach Rot-terdam und Amsterdam, projektiert. Zwischen 1958 bis 1997 sind insgesamt 13 Dämme, bzw. Wehren gebaut worden, welche zum Teil regelbar sind.
Eine der grössten Wehranlagen ist der Oosterscheldedamm, auf welchem wir uns befanden. Besser gesagt wir waren auf „Neeltje Jans“, einer künstlichen Insel, die sich zwischen den riesigen Wehren befindet und das Kontrollzentrum beherbergt.

Dieser Damm wurde in einer Bauzeit von 9 Jahren erbaut und war 1986 fertig. Die Pfeiler mit einer Höhe von ca. 35 m und einem Gewicht von ca. 18'000 t wurden in einer Baugrube, welche 15 m unterhalb vom Meeresspiegel lag, gebaut. Dies hatte den Vorteil, dass man die Grube mit Wasser fluten und sie direkt im Wasser transportieren konnte. Für den Bau von diesem Damm wurden drei neue Spezialschiffe konstruiert. Eines war das eigentliche Transportschiff der Stützpfeiler, welches eine U-Form aufwies und so die Pfeiler auf drei Seiten umschliessen konnte. Ein zweites Boot war für die Zentimeter genaue Positionierung zuständig, an welchem sich das Transportschiff andocken konnte, um die Pfeiler auf den Meeresgrund hinunterzu-lassen. Dieses Unterfangen war nicht so einfach, wenn man sich vorstellt wie stürmisch das Wetter und das Meer in diesem Bereich sein können. Sobald die hohlen Betonpfeiler positio-niert waren, wurden sie mit Sand aufgefüllt und aussen durch verschiedene Lagen von unter-schiedlichem Material zusätzlich verankert.



Als letzte Elemente wurden die Strassenhohlträger mit den Antriebsmechanismus der Stahl-tore und die Tore selbst hinzugefügt. Diese sogenannten Schütze lassen sich je nach Wellen-gang und Wind entsprechend verschieben und können somit das ganze Deltagebiet vor Über-schwemmungen schützen. Es bleibt zu erwähnen, dass der Damm erst zweimal seit dem Ende der Bauarbeiten komplett geschlossen werden musste.

Nachdem sich das Wetter ein wenig beruhigt hatte, konnten wir uns auf ein solches Wehr wagen. Dass heisst wir sind durch die Strassenhohlträger spaziert und konnten uns die Dimensionen der einzelnen Bauteile gut einprägen.

Um während der Zugfahrt von Middleburg nach Amsterdam nicht am Hungertuch nagen zu müssen, machten wir während der Rückfahrt mit dem Taxi noch einen sogenannten Foodhalt. Edgar und Martin waren da für die Einkäufe zuständig. Mit zwei grossen Säcken voller Kohlen-hydraten, Proteinen und anderen Nährstoffen, konnten wir uns schon bald im Zug gemütlich einrichten. Nach einer Fahrzeit von ca. 2.5 h und dem von den Römern ausgeliehenen „Brot und Spiele“ - Prinzip erreichten wir gegen Abend Amsterdam.

Beim Zimmerbezug wurde uns richtig bewusst, dass wir in einer Lagunenstadt gelandet sind. Viele Leute mögen von einem Hausboot schwärmen, dies ist jedoch nichts im Vergleich zu unse-rem Hotelboot, oder wie es richtig heisst: Botel. Mindestens war die Ausrede für eventuellen übermässigen Alkoholgenuss sicher, obwohl das Boot nicht extrem geschwankt haben soll.
Nachdem wir die ersten Impressionen dieser Grossstadt verdaut hatten, ging die Suche nach einer geeigneten Gaststätte los, um uns für die bevorstehende Nacht zu stärken. Hierbei hat sich wieder einmal bestätigt, dass ein Italiener überall auf der Welt sicher ein italienisches Restaurant findet. Da auch die restlichen Teilnehmer die italienische Küche schätzen, musste Umberto keine grossen Überzeugungskünste einsetzen.
Mit Pasta, Vino und Birra im Magen gings bald los zur Candlelight cruise durch die Grachten (Kanäle) von Amsterdam. Die Fahrt dauerte ca. 1.5 h und zeigte uns einige Ansichten dieser schönen Stadt und ihrer verzweigten Wasserstrassen. Wisst Ihr, dass es sich bei dieser Stadt um die grösste Pfahlbausiedlung der Welt handelt? Um ein Haus zu bauen, benötigt man einige hundert Betonpfähle, welche in Tiefen von 20 bis 40 m gerammt werden.
Was wäre ein Besuch in Amsterdam ohne das Red Light District? Gesagt, getan. Als Start auf dieser speziellen „Sight seeing“ Tour war ein Abstecher ins bekannte Sexmuseum schon bei-nahe ein Muss. Um das anschliessende „Window Shopping“ auch gut zu überstehen, mussten doch noch einige Gläser vom feinen Palm Gerstensaft geleert werden und rundeten diesen Abend ab.

Der erste Fixpunkt unseres letzten Reisetages war bereits um 09:00 Uhr. Unsere Bus- und Bootsfahrt sollte uns die holländischen Attraktionen näherbringen. Mit anderen Worten, das volle Touristenprogramm!
Beim ersten Halt wurde uns das halbmaschinelle Herstellungsverfahren der Holzschuhe ge-zeigt. Die Konturen werden mittels einer Art Kopierfräse aus dem Holz gefräst. Dabei wird nur frisches Lindenholz verarbeitet, welches eine sehr hohe Feuchtigkeit aufweist.
Der nächste Stopp galt einem Freilichtmuseum mit Besichtigung einer aktiven Windmühle. Mittlerweile sind nur noch ca. 1000 solcher Wahrzeichen von Holland in Betrieb.
Anschliessend wurde eine Käserei besucht, um uns die Produktion von Gouda erläutern zu lassen. Bei der anschiessenden Degustation der verschiedenen Sorten konnte mindestens der Magen ein wenig beruhigt werden.

Weiter ging es dann zu einem Fischer-dorf an der Ostersee. Ursprünglich war dieser See ein Meer, ist aber durch die Abschottung zu einem Süss-wassersee mutiert. Nicht nur die Fi-sche mussten sich diesem Eingriff anpassen. Auch die Fischer haben ein neues Betätigungsfeld im Tourismus gefunden. Interessante Bilder wurden von unserem Fotografen Peter ge-schossen. Wo sonst kann man wohl eine Reihe kleiner Windmühlen als Gartenhag begutachten?
Weiter ging es mit dem Boot über die Ostersee zum nächsten Dorf. Nach einem kleinen Spa-ziergang konnten wir wieder in die Busse einsteigen und wurden zurück nach Amsterdam ge-fahren. Nach dieser Tour wissen wir nun, wie sich die asiatischen Besucher fühlen müssen, welche in 20 Tagen durch Europa flitzen!

Kaum ausgestiegen, mussten wir uns gleich in eine „Getränkehalle“ begeben, um wieder einmal einem Regenschauer auszuweichen. Die restliche Zeit bis zur Abfahrt zum Flughafen konnte dann individuell zu weiteren Erkundungen benutzt werden. So konnte zB. ein Velo-Parkhaus bestaunt werden. Bald hiess es Abschied nehmen aus diesem Staat, welches eigentlich zu Unrecht als Holland bezeichnet wird, da Holland nur ein Teilgebiet der Niederlande ist.

Nachdem auch die Rückreise in die Schweiz geklappt hatte und keine Teilnehmer verloren ge-gangen sind, darf diese Jubiläumsreise als geglückt bezeichnet werden. In diesem Zusammen-hang möchte ich im Namen aller Mitreisenden unseren beiden Organisatoren Edgar und Tony herzlich danken.

Ich freue mich jetzt schon auf den nächsten Trip!

Euer „Hamburger“ Remo







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